Meerschweinchen besitzen als Pflanzenfresser ein hoch kompliziertes Verdauungssystem, das sehr störanfällig ist. Die Tiere haben einen nur schwach bemuskelten Magen, der zum Weitertransport der Nahrung nur wenig beitragen kann. Daher ist es wichtig, dass ständig Nahrung aufgenommen wird – das nachgeschobene Futter schiebt dann den Nahrungsbrei in den Darm. Im Dünndarm, der etwa eineinhalb Meter lang ist, wird die Nahrung vorwiegend enzymatisch verdaut. Der Blinddarm ist groß und beherbergt unzählige Mikroorganismen, die die Nahrung durch Vergärung aufschließen. Im Grimmdarm wird dem Verdauungsbrei Wasser entzogen – es entstehen die typischen Köttel, die der Enddarm ausscheidet.
Die spezielle Darmflora im Blinddarm der Meerschweinchen ist in der Lage Zellulose aufzuspalten, wodurch freie Fettsäuren entstehen, die resorbiert werden können und dem Meerschweinchen als Energie zur Verfügung stehen.
Damit diese Darmflora funktioniert muss der pH-Wert deutlich basisch sein (pH: 8-9). Bei Fütterung von rohfaserreicher Nahrung ist dies gewährleistet. Füttert man hingegen zucker- und stärkehaltiges Futter kann der pH auf 5-6 absinken. Die Folge ist ein Absterben der physiologischen Darmflora und ein Überhandnehmen von unerwünschten Keimen wie z.B. E.coli.
Im Blinddarm wird außerdem der so genannte Blinddarmkot gebildet. Dieser spezielle weichere, mit einer Schleimhülle überzogene Kot hat einen Anteil am Gesamtkot von über 30% und passiert die weiteren Abschnitte des Dickdarms beinahe unverändert. Er wird von den Tieren dann direkt vom Enddarm aufgenommen.
Der Blinddarmkot besteht aus Bakterien (Erneuerung der Darmflora), Mukoproteinen, Spurenelementen und Vitaminen (Vitamine der B-Gruppe z.B.). Nach Wiederaufnahme werden sie im Magen und Dünndarm aufgelöst und verdaut. Auf diese Weise synthetisieren Meerschweinchen aus zellulosereichem Futter alle für sie essentiellen Nährstoffe selbst.
Die Stammform unserer Hausmeerschweinchen ist das Gebirgsmeerschweinchen. Die Tierart besiedelt die Hochebenen und Buschsteppen der Anden in ca. 4000m Höhe. Das Gras dort ist sehr reich an Vitamin C – ein ideales Nahrungsangebot für die Meerschweinchen.
Unsere Hausmeerschweinchen sind auf die Aufnahme von Vitamin C ebenso angewiesen wie ihre Verwandten in den Anden.

Körnerfutter, Snacks und so genannte Leckereien sind für Meerschweinchen nicht gesund! Viele Tierhalter meinen, dass Joghurt- und Milchdrops für die Schweinchen eine Art Bonbon sind. In der Regel sind diese Produkte reich an solchen Nährstoffen, die die Tiere überhaupt nicht brauchen.
Körner werden nur mit den Zähnen zerquetscht, das Futter wird nicht lange genug mit den Zähnen gemahlen – für eine gesunde Verdauung und den Zahnabrieb ist dies jedoch lebensnotwendig.

Snacks wie z.B. die angeblich so lebensnotwendigen Knabberstangen enthalten Zucker, Mehl, Getreide, Zuckerrohrmelasse, Bäckereinebenerzeugnisse, pflanzliche und tierische Nebenerzeugnisse, frische Eier, Milchprodukte etc. – alles Dinge, die fatale Wirkungen auf das empfindliche Verdauungssystem haben. Die Meerschweinchen mögen es trotzdem sogar sehr oft. Sie sind mit einem Kompensationsmechanismus ausgerüstet mit dem sie zellulosehaltige Partikel aus dem Dickdarm in den Blinddarm zurück transportieren können. Auf diese Weise kann die viel zu energiereiche Stärkefütterung zunächst unbeschadet ausgeglichen werden.
Die Folgen werden erst nach einiger Zeit offensichtlich: übergewichtige Tiere mit Bewegungsunlust, chronische Durchfälle, Blähungen als Folge von Fehlgärungen im Blinddarm – die Stärke wird zu Zucker abgebaut und durch Hefen vergoren, es bilden sich Gase, die nicht entweichen können, den Darm aufblähen und dem Tier starke Schmerzen verursachen – bis hin zu Organverdrängungen, Kreislaufversagen und Tod.
Fazit:
Geben Sie Ihrem Tier Heu als Grundnahrung. Es sollte ständig zur Verfügung stehen. Ernähren Sie es so naturnah wie möglich. Vermeiden Sie Körnerfutter, Leckereien und Knabberstangen.
Füttern Sie regelmäßig abwechslungsreich. Vermeiden Sie einseitige Ernährung und plötzliche Futterumstellungen.
Wichtig! Nicht die Härte der Nahrung ist ausschlaggebend, sondern die Reibung während der Kaubewegung führt zur Abnutzung der Zähne. Nagetiere müssen immer etwas zum Nagen haben. In der Natur sind das Wurzeln und Äste. Geeignet sind z.B. Obstbaumzweige, Buchen- und Rottannenzweige. Und natürlich, das kann nicht oft genug wiederholt werden Heu. Auch Stroh fressen Meerschweinchen gerne, es darf aber kein Heuersatz sein.
Die ganzjährige Außenhaltung erhebt andere Ansprüche an das Nahrungsangebot. Hier wird man um ein Kraftfutterangebot im und vor dem Winter nicht herum kommen, damit die Tiere mit ausreichend Energie- und Fettreserven die kalte Jahreszeit gut überstehen. Aber auch hier gilt, dass für genügend Ballaststoffzufuhr gesorgt werden muss.
Näheres unter www.cavy-forest.de –> Außenhaltung

