Wir machen keine Therapievorschläge und empfehlen auch keine Medikamente. Das überlassen wir den Tierärzten, die die Tiere auch vor Ort sehen. Die hier erwähnten Krankheiten dienen nur zur Information – sie ersetzen einen Tierarztbesuch nicht, dieser sollte auch nicht unterlassen werden.
| Stichworte: | evtl. Ursache |
| Beschleunigte Atmung, Teilnahmslosigkeit | Hitzschlag |
| Durchfall | Zähne, Kokzidien |
| Haarausfall | Parasiten, Pilzbefall, Ovarialzysten |
| Juckreiz | Parasiten |
| Niesen, Fressunlust | Atemwegserkrankungen |
| Schmerzen beim Laufen | Ballenerkrankungen, Knochenbrüche oder –verstauchungen, Rheuma, zu lange Krallen |
| Schuppige Haut | Parasiten, Pilzbefall |
| Seitenlage, Fressunlust | Blähungen |
| Speichelfluss, nasses Kinn | Zähne |
| Wunden | Parasiten, Bissverletzungen, sonstige Verletzungen |
Räudemilben (Grabmilben) und andere Arten:
Symptome: Starker Juckreiz. Die Haut ist schuppig – krustig bis hin zu blutigen Stellen durch starkes Kratzen. Hinzu kommt ein asymmetrischer Haarverlust. Die Tiere sind nervös und magern ab. Es kann zu epilepsieähnlichen Anfällen durch den starken Juckreiz kommen. Unbehandelt führt ein Grabmilbenbefall zum Tod.
Haarlinge:
Haarlinge kann man mit dem bloßen Auge erkennen. Sie bewegen sich schnell, sehen aus wie kleine Würmchen und können bei starkem Befall Juckreiz, Haarverlust und stellenweise Ekzeme hervorrufen.
Ansteckung:
Haarlinge und Milben werden oft aktiv, wenn Tiere neu hinzugesetzt werden, Stress und Rangordnungskämpfe sind ein nicht zu unterschätzender Faktor bei Parasitenerkrankungen.
Ob Meerschweinchen befallen werden und wie stark hängt von der Immunabwehr der Tiere ab. Widerstandsfähige Schweinchen erkranken selten an diesen Parasiten.
Hautpilz(e):
Symptome: kreisrunde bis ovale kahle Stellen im Fell mit meist schuppiger, stark geröteter Haut, extremes Kratzen.
Seltener: Schuppen-, Schorfbildung in Ohrmuschel und um Nasen-, und Schnäuzchenregion. Die Tiere sind nervös und magern ab. Es kann zu epilepsieähnlichen Anfällen durch den starken Juckreiz kommen.
Da dieses Krankheitsbild jedoch ähnlich dem parasitärer Erkrankungen ist (erscheint), ist ein Tierarztbesuch zur genauen Diagnostik/Therapie unumgänglich.
Hautpilze können in Einzelfällen auf den Menschen übertragbar sein.
Kokzidiose:
Kokzidien sind Einzeller, die in den Zellen der Darmschleimhaut (Darmkokzidiose) oder in den Gallengängen (Leberkokzidiose) schmarotzen. Sie entwickeln sich in einem komplizierten Zyklus zu Oocysten, die dann mit dem Kot ausgeschieden werden. Diese reifen innerhalb von ein bis sechs Tagen in der Einstreu zu infektionstüchtigen Stadien.
Viele Meerschweinchen sind latent infiziert ohne selbst zu erkranken. Durch Belastung wie z.B. Transportstress, Infektionen oder Fütterungsfehler kann dann die Krankheit ausbrechen.
Sind ausgedehnte Darmschleimhautbereiche befallen und entzündet, kann die Nahrung nicht mehr richtig verdaut werden. Die Tiere leiden unter schleimigen bis blutigem Durchfall. Es können sich jetzt auch bakterielle Infektionen ausbreiten, die mit starker Gasbildung im Darm einhergehen. Jungtiere erkranken am schwersten und überleben eine solche Infektion oft nicht.
Bei der Leberkokzidiose stehen entzündete Gallengänge und Leberschwellung im Vordergrund. Die Tiere fühlen sich ausgesprochen schlecht, sie magern ab – Durchfälle sind selten. Hier sind vor allem ältere Tiere betroffen. Die Krankheit kann nach mehreren Wochen tödlich enden.
Der Tierarzt kann diese Erkrankung behandeln – sie muss aber zwingend abgeklärt werden!
Wichtig ist eine ausgesprochen gründliche Hygiene!
Zahnprobleme:
Die Zähne der Meerschweinchen wachsen ein Leben lang. Durch ungenügende Abnutzung kann dies zu übermäßigem Zahnwachstum kommen. Auch Stellungsanomalien des Kiefers können neben noch weiteren Faktoren die Ursache sein. Kommt es zu einer Überlänge der Backenzähne bis hin zur Brückenbildung, kann das Tier die Zunge nicht mehr richtig benutzen und die Nahrung nicht mehr weiter transportieren. Dadurch kommt es zu Verdauungsstörungen (Durchfall), Abmagerung und vermehrtem Speichelfluss. Oft entdeckt man in den Mundwinkeln noch Futterreste. Der Tierarzt muss die Mundhöhle gründlich untersuchen und evtl. Zähne abschleifen.
Vorbeugung! Die Tiere müssen immer genug Heu (am besten lange feste Halme) und Stroh zur Verfügung haben.
Füße und Krallen:
Krallenpflege: Meerschweinchen haben vorne je vier und hinten drei Zehen. In freier Wildbahn oder auch bei Außenhaltung nutzen sich die Krallen regelmäßig ab. Bei der Innenhaltung kann man durch Steine, Holz oder Kork über die die Schweinchen klettern müssen ein übermäßiges Krallenwachstum verhindern. Kontrolle ist aber immer notwendig. Evtl. müssen die Krallen gekürzt werden. Zu lange oder sogar eingerollte Krallen behindern das Tier nicht nur sondern bereiten ihm auch Schmerzen beim Laufen und führen zu Fehlbildungen durch Fehlbelastung. Lassen Sie sich das Krallenschneiden von ihrem Tierarzt oder einer erfahrenen Person zeigen.
Ballenerkrankungen:
Auf ungeeignetem Untergrund (Draht, Feuchtigkeit – Nässe), bei bewegungsarmen und auch dicken Tieren, bei kleinen Verletzungen mit Keimbesiedlung kann es zu Entzündungen oder sogar zu Abzessen der Fußballen führen. Begünstigt wird diese Erkrankung häufig auch durch Fehlbelastungen der Füße durch zu lange Krallen.
Symptome: Die Ballenhaut wird dünn, oft lösen sich Hautschuppen, das Tier ist schmerzempfindlich. Nach Keimbesiedlung können sich starke Schwellungen (Granulome) bilden.
Die Behandlung durch den Tierarzt wird unterstützt durch trockene und weiche und sehr saubere Unterlagen, die täglich gereinigt werden müssen. Die Behandlung eines Ballenabzesses kann oft sehr langwierig sein.
Blähungen:
Wie unter „Mehr zur Ernährung“ beschrieben, haben Meerschweinchen ein besonderes Verdauungssystem, das auf Fütterungsfehler sehr empfindlich reagiert.
Symptome: Die Tiere zeigen einen schmerzhaft aufgetriebenen Bauchraum. Oft sind sie apathisch, manchmal unruhig. Nicht selten legen sie sich auf die Seite, bewegen sich nicht mehr und wollen nicht fressen. Schmerzen erkennt man evtl. am Zähneknirschen und/oder gesträubtem Fell. Die Schmerzen sind stark und kolikartig. Flache Atmung, Atemnot, Kreislaufschwäche sind weitere Anzeichen für Blähungen. Die Schleimhäute sind oft blau gefärbt – der Puls wird flach.
Blähungen müssen schnell behandelt werden. Wir haben als „Erste Hilfe“ schon Sab simplex empfohlen. Mit diesem Mittel kann man nichts falsch machen (deshalb die Empfehlung), es wird nicht resorbiert. Der Tierarztbesuch ist dringend anzuraten.
Ovarialzysten
Ca.. 80% der weiblichen Meerschweinchen scheinen Ovarialzysten zu haben. Diese sind natürlich nicht alle behandlungsbedürftig. Andere müssen nur dann operiert werden, wenn eine Behandlung nicht erfolgreich war und das Tier stark dadurch beeinträchtigt wird.
Symptome: bei hormonell aktiven Zysten zeigt sich ein symmetrisch beidseitiger Haarausfall an den Flanken, am Bauch und den inneren Oberschenkeln. Oft sind die Tiere unruhig oder dauerbrünstig.
Hautverletzungen
Kleine Verletzungen können selbst behandelt werden. Bei größeren oder stark blutenden Wunden muss der Tierarzt aufgesucht werden. Ursachen sind oft Rangordnungskämpfe oder Verletzungen an scharfen Kanten etc.
Hitzschlag
Meerschweinchen sind sehr empfindlich gegen Hitze. Es kann bei übermäßiger Sonneneinstrahlung, ungenügender Durchlüftung oder generell bei zu hohen Umgebungstemperaturen, keinem ausreichenden Wasserangebot schnell zu einer Überhitzung der Tiere kommen. Meerschweinchen können nicht schwitzen und haben nur einen sehr unvollkommen entwickelten Hechelmechanismus. Ihr Fell ist dicht – was für ihre natürliche Umgebung auch sehr sinnvoll ist.
Symptome: beschleunigte flache Atmung, völlige Teilnahmslosigkeit, erhöhter schwacher Puls, zyanotische (bläuliche) Schleimhäute. Es besteht akute Lebensgefahr! Therapie: Sofort das Tier an einen kühlen, dunklen Ort bringen. Nasse, kalte Tücher können ebenso helfen wie nasse, kalte Kopfkompressen. Man kann die Gliedmaßen Tieres auch in kühles (nicht kaltes) Wasser tauchen. Werden die Symptome nicht besser sollte man schnellst möglich den Tierarzt aufsuchen (bitte nicht im völlig überhitzen Auto).

