weil's Spaß macht

Baltikum August 2016

Ca. 4800 km mit dem Motorrad (ich=Ulrike) und mit dem Cabrio (Gina) ca. 6000 (wegen der Ausflüge zwischendurch). Ein seltsames Gespann, wurde uns gesagt – für uns war es perfekt. Wenn wir nicht gerade auf Schotter- bzw. Sandpisten fahren mussten, war die Strecke nicht sehr kurvenreich, ansonsten hieß es Schlaglöcher umfahren 😉

Die baltischen Staaten sind seit 2004 Mitglied der Europäischen Union, seit 1991 endlich wieder mal unabhängig. Uns fiel auf, dass alle jungen Leute hervorragend englisch sprechen, manche auch deutsch. Bei den älteren war es unterschiedlich „perfekt“. Russisch ist natürlich auch weit verbreitet. Interessant ist der unterschiedlich rigorose Umgang mit der Einbürgerung bzw. Staatsangehörigkeit der dort seit 1940 – 1989 zugezogenen Russen. In Lettland z.B. sind ca. 14% der Russen staatenlos, weil sie den Einbürgerungstest nicht bestanden haben oder es nicht wollten.

Nun, unser Ziel war Tallinn, das wollten wir erreichen und uns von dort dann wieder nach unten schrauben. Start in Bingen am Rhein…

Unterwegs…

1. Etappe

Słubice, Polen (6.-7.August.2016)

Ca. 550 km über die Autobahn gebrettert – ich kann mich an die Fahrt nicht erinnern – hatten wir ein kleines Hotel gebucht direkt hinter der Grenze in Polen. War billig die Unterkunft mit netten Leuten, die natürlich nur polnisch sprachen, aber es lag günstig am Weg 😉

2.Etappe

Wrocki, Polen (7.-8.August.2016)

Der gleiche Preis wie in Slubice, aber eine deutlich bessere Ausstattung des Zimmers. Wir hatten die Autobahnfahrt aufgegeben, zu doof, zu langweilig und die Landstraßen in Polen sind größtenteils gut. In Wrocki fing unser „Hochzeitsrausch“ an – Party im Haus, polnische Hochzeit, die erste. Egal, wir konnten die Fahrzeuge gut abstellen, das Hotel lag direkt an der Straße, und wir waren fertig genug, um trotzdem einzuschlafen.

3. Etappe

Marijampolė, Litauen (8.-9.August.2016)

Die Fahrt dahin war schön, Warschau nördlich weiträumig umfahrend durch masurische Wälder (mit Erinnerungen an 2015 ) und bei schönem Wetter. Nach der polnisch – litauischen Grenze wurde die Straße so schlecht, dass ich kurz dachte: ‘Okay, Estland/Tallinn, das hat sich wohl erledigt, wenn das so weiter geht’. Die Straße war nur in der Mitte schmal geteert und außen Schotter-Sand-Piste. Das ginge ja noch, wenn nicht die LKW mit schleuderigem Anhänger ein Offroad-Rennen mit persönlichem Bestzeitehrgeiz hinlegen würden.
Marijampole haben wir auf der Hinfahrt nicht kennengelernt, wir hatten jetzt aber auch kein gesteigertes Interesse an dem Ort. Das Hotel war wunderbar, großes Zimmer, schön am Fluss. Es war klar, hier wollten wir auf dem Rückweg wieder hinkommen. Aaaber, versuche nie deinem Navi zu erklären, es soll dich aus der Stadt herausführen, die voller Baustellen steckt – „Fahren Sie geradeaus“ (gegen die Mauer) usw., aufgerissene Straßen, die es eigentlich nicht gibt, Kreuzungen, bei denen das Navi einem die Wahl ließ – wohin denn jetzt????

4. Etappe

Lilaste, Lettland (9. bis 10. August)

Nach der ersten Straßenerfahrung in Litauen wollte ich keine Experimente mehr machen und nur noch dicke Landstraßen nutzen. Auto- bzw. Motorradfahren in Litauen ist nichts für schwache Nerven. Wer auf Landstraßen überholt, hat Vorfahrt, egal wie viele dir gerade entgegenkommen. Fußgänger trifft man auch auf Autobahnen. Man verkauft dort auch am Straßenrand Pilze oder Honig oder überquert mal eben die Fahrbahn.
In Lettland schien es zunächst besser, aber auch hier überraschten und so manches Mal Hauptdurchgangsstraßen als Feldweg getarnt.

Eine Übernachtung am Straßenrand in einem schrecklichen Hotel, das nur von außen schön aussah und direkt am See lag. Das Bett, wenn man es so nennen darf, wird uns sicher noch länger in Erinnerung bleiben, wahrscheinlich waren die Matratzen Strohsäcke (ich hab lieber nicht machgeguckt)  😉

5. Etappe

Tallinn, Estland (10. bis 15. August)

Wow, geschafft! Eigentlich wollte ich beide Arme hochreißen bei der Einfahrt, hab das digitale Schild allerdings völlig übersehen. Ein bisschen Regen und ziemlich kühl auf der Fahrt für mich. Ich hatte mir fast die Pfoten abgefroren. Und am 14. August, bitte sehr, auf der nördlichen Halbkugel im Hochsommer (sollte man meinen) Winterhandschuhe gekauft.
Tallinn: ca. 430 000 Einwohner, das ist ein Drittel der gesamten Bevölkerung von Estland. Die historische Altstadt ist voller Touristen, natürlich, aber man ist nicht so genervt, wird nicht so belästigt, nicht dauernd bedrängt. Man ist einfach da. Tallinn hofiert das Mittelalter, aber wir fanden es trotzdem nett.

Weniger nett war unser Hotel. Am Tag der Ankunft wurden wir mit kostenlosem Roomservice getröstet (Wert 10,- Euro), weil das Restaurant wegen einer Hochzeitsfeier geschlossen war. Okay, sagten wir uns und nahmen ihn in Anspruch. Per Haustelefon war der Service nicht erreichbar oder legte glatt wieder auf, also runter gerannt, Speisekarte geholt. Telefonisch bestellen ging ja wieder nicht, also Gina wieder runter gerannt und bestellt (alles immerhin aus dem 4. Stock), sie durfte das Bier für mich gleich mitnehmen (???). Später klopfte es, zwei Mädels mit Tellern in der Hand standen vor der Tür, schoben selbige auf den Schreibtisch, rannten wieder runter, um Wechselgeld zu holen (augenroll) … Egal, was solls, andere Länder, andere Hotelsterne 😉
Satt, müde ins Bett gefallen. Von der russischen Hochzeit hörten wir nichts bis wir aus dem Bett fielen, oder ich aus dem Bett sprang, zum Fenster rannte, weil geschossen wurde. Da kommen einem ja die irrsten Visionen in den Kopf – wie war das? Russland – das Baltikum… Angst wieder vereinnahmt zu werden… ? Draußen knallte und blitzte es wie im Krieg, hörte nach ner Viertelstunde wieder auf und ich hatte Herzklopfen und war hellwach. Selbst Gina, die man sonst im Schlaf klauen kann, wirkte irgendwie munter 😉 Und nein, das war kein einmaliges Ereignis, es wiederholte sich die nächsten Tage. Was machten die Russen da? Klar, Feuerwerk mitten auf der Straße (schon wieder augenroll). Beim Frühstück trafen wir die Brautleute wieder, noch im Brautkleid. Bräute sahen wir auf unserer Reise sowieso dauernd durch die Gegend laufen 🙂

Ausflüge:

  • Käsmu und Umgebung

Ein altes Dorf, das früher in jeder Familie einen Kapitän oder Steuermann hatte. Deshalb wird es noch heute oft das „Kapitänsdorf“ genannt. Das Dorf liegt am Westufer der Halbinsel Käsmu.Im 19. Jahrhundert war Käsmu für den schwunghaften Alkoholschmuggel über die Ostsee bekannt.

  • Leesi (Strand)

Unterwegs gefunden und nicht mehr weg gewollt 😉 Stundenlang haben wir hier gesessen.

  • Palmse

Palmse ist das bekannteste Landgut in Estland, befindet sich im Nationalpark Lahemaa – übrigens 1971 der erste, der in der Sowjetunion gegründet wurde. Bereits 1972 begann man schrittweise das Landgut zu rekonstruieren.

  • Kakumäe

Kakumäe ist der nordwestlichste Stadtbezirk Tallinns. Mmh, der Strand war jedenfalls nicht sehr schön – vielleicht lag es auch daran, dass die zwei Leute, die wir sahen mit Schal und Mütze rum rannten – so schlimm war’s jetzt auch wieder nicht, wirklich.

  • Jägala Wasserfall

Jägala ist mit ca. acht Metern der höchste natürliche Wasserfall in Estland. Das überwiegend mit Mooren und Wäldern bedeckte Einzugsgebiet des bis zu 100 km langen Flusses gibt dem Fall richtig viel Wasser, auch während der Trockenzeit im Sommer. Das vom Hang abstürzende Wasser wäscht weichen Sandstein aus. Wir haben die kurze Zeit genutzt, in der es nicht regnete, um ein paar Bildchen zu machen. 😉 Und ja, wir waren in der „Trockenzeit“ da, so zeigte sich uns der Fall nur mit halber Breite.
Während es dann regnete sind wir zum nächstgelegenen Cafe am Meer gefahren, das hat sich ja mal richtig gelohnt 🙂

Auf dem Weg nach Haapsalu…

6. Etappe

Haapsalu, Estland (15. bis 18. August)

Tschaikowski soll seine 6. Sinfonie in seinem Sommerhaus in Haapsalu geschrieben haben, sagt man. Deshalb wollten wir dahin 😉 Haapsalu ist ein kleiner Kurort und bei schönem Wetter sicherlich richtig toll. Wir hatten viel Regen und trotzdem unseren Spaß hier. Und die süßen Holzhäuschen lösen sich zum Glück bei Regen nicht auf.

 N24: Es ist eine bezaubernd heile Welt, die Astrid Lindgren in ihren Bullerbü-Büchern geschaffen hat. Zu schön, um wahr zu sein? Nein, es gibt tatsächlich solch einen Ort: Haapsalu im Nordwesten Estlands. (https://www.welt.de/reise/nah/article145492581/Das-echte-Bullerbue-liegt-in-Estland.html)

Der Bahnhof aus dem Jahr 1907 wurde für die russische Zarenfamilie erbaut und ist heute leider nicht mehr in Betrieb. Ob es daran lag, dass irgendwann einmal ein Zug den Bahnhof durchfuhr und fast gänzlich im Meer landete? 😉

  • Spithami

Spithami liegt nördlich von Haapsalu und, man glaubt es kaum, am Meer. Es war etwas frisch an diesem Tag, dafür aber einsam.  Und wunderte ich mich anfangs noch, dass die Autos in diesem Land so dreckig sind, spätestens heute musste mir alles klar geworden sein – wir sahen genauso aus 😉

  • Dirhami

7. Etappe

Saulkrasti, Lettland (18. bis 20. August)

Saulkrasti heißt „Sonnige Küste“ und diese ist wunderschön. So schön, dass wir wiederkommen wollen. Wir wohnten in einem kleinen Plattenbauhotel, das etwas schief war innen, aber alles ordentlich und nur zwei Minuten vom Strand entfernt.

  • Riga

Was für eine lebendige Stadt an einem durchweg sonnigen Tag! 700 000 Einwohner und somit die größte Stadt des Baltikums. Riga ist natürlich ein Touristenmagnet, aber auch hier wie in Tallin nicht so aufdringlich. Wir sind von Saulkrasti mit dem Bus in die Stadt gefahren. Das klappte hervorragend, zumal uns  die Hotelangestellten in Saulkrasti noch schnell zur Bushaltestelle gefahren hatten, nachdem sie bemerkten, dass wir an der falschen standen. Die Stadt ist zu groß, um sie an einem Tag zu erfassen, so nahmen wir einen zu bunt dekorierten Doppelstockbus mit „Cabriodach“ und Kisschen und Deckchen, um einen Überblick zu bekommen. Später dann noch etwas durch die Stadt zu Fuß, den Aufstieg auf den Turm der Petrikirche haben wir uns gespart, 9,- Euro Eintritt (unser Geiz schlug plötzlich zu, wie blöd von uns). Der Busbahnhof in Riga ist groß und liegt direkt neben dem Markthallen, die wirklich großartig sind. Und so konnte Gina nicht widerstehen sich bilderbuchreife, wunderschön rote Kirschen zu kaufen. Der erste Biss hinein sprach Bände 😉 (echte Sauerkirschen).

8. Etappe

Dundaga und Umgebung, Lettland (20. bis 22. August)

Warum fährt man nach Dundaga? Nun ja, es gab nichts anderes. Zudem wollten wir an die Küsten des Zipfels (den hatte ich auf der Hinfahrt großzügig ausgelassen) und natürlich nach Kolka, das ist die Ecke an der die Ostsee mit dem Rigaischen Meerbusen zusammentrifft. Ehrlich gesagt, es war ein bisschen grässlich da. Kolka hat sich nicht gelohnt, war es für mich nicht mal Wert den Fotoapparat rauszuholen 😉 Wahrscheinlich ist es interessant, wenn es stürmisch ist. Der Parkplatz kostete Gebühren und es wurden busseweise russische Damen herausgespuckt, ich kam mir vor wie im Russen-Magazin in Wismar 😉 Nun, immerhin fanden wir hier ein idyllisch gelegenes WC-Häuschen 😉

  • Ventspils (Windau)

  • Mikeltornis

9. Etappe

Klaipeda, Litauen (22. bis 24. August)

Klaipeda soll eine ganz nette Stadt sein, wir sahen leider nicht viel davon. Wegen des heftigen Regens verzichteten wir nach dem Ausflug zur Kurischen Nehrung auf eine Besichtigung. Wir wohnten in einem Ferienappartement nicht weit vom Strand mit netten Gastgebern, die sehr aufmerksam waren – sprich: die Fahrzeuge wurden im Innenhof verschlossen und evtl. Ausflüge wurden bis ins kleinste Detail beschrieben und zu essen bekamen wir auch genug.

  • Kurische Nehrung

Die Kurische Nehrung ist eine 98 km lange Halbinsel an der Nordküste des Samlands. Seit 1945 gehören die nördlichen 52 km zu Litauen und die südlichen 46 km zur russischen Oblast Kaliningrad. Die Hohe Düne auf der Kurischen Nehrung ist eine der größten Europas, die Halbinsel selber in ihrer Art einzigartig und hat uns tatsächlich schwer beeindruckt. Ein ganz klein bisschen fit muss man schon sein, um auf die höchste Düne zu krabbeln.

10. Etappe

Marijampole, Litauen (24. bis 25. August)

siehe oben

11. Etappe

Ciechanów, Polen (25. bis 26. August)

Wieder eine Zwischenübernachtung in einem nichtssagenden Ort. Das Hotel war das Vorderhaus der Ciechanów-Brauerei und ich freute mich auf ein schönes Fassbierchen am Abend. Aber es gab nur Bier aus Flaschen im Restaurant!! Das Zimmer und das Restaurant waren echt schick. Wie überall in Polen spricht hier keiner englisch, deutsch sowieso nicht. Keine Ahnung, warum in jedem Reiseführer steht, dass Reisen in Polen mit Englischkenntnissen sehr gut funktioniert.
Die Polen sind nett und sie schwatzen einen auf polnisch gerne zu, aber englisch – Fehlanzeige. Auch junge Leute – nichts (sie haben englisch und deutsch als erste Fremdsprache in der Schule…)
Aber mein Mopped stand friedlich und unangetastet die ganze Nacht auf der Straße – Vorurteile sollte man definitiv in der Tasche stecken lassen.

12. Etappe

Walerianowo, Polen (26. bis 27. August)

Ach ja, wir hatten den ersten Stau unserer Reise (in der Stadt) – für mich bei der Hitze nicht wirklich witzig, so ließ ich Gina stehen und hab mich zwischen den Autos durchgemogelt.
Eine Nacht in einem Privathaus, supersauber, supernett, hat glatt 10 Punkte von uns bei booking.com bekommen, Pizza essen irgendwo außerhalb, schlafen. Mehr Erlebnis war nicht drin 😉

Pause am See

13. Etappe

Zielona Gora, Polen (27. bis 29. August)

Die Hitze des Sommers nötigte uns zu einer Zwangspause in klimatisierten Räumen mit wunderschöner Gartenanlage. Ich bin auf dem Motorrad nicht zu gebrauchen, wenn ich unter der Jacke gefühlte 76°C habe, so denn – hatten wir endlich mal Urlaub und warteten die schönen Tage ab. Es war langweilig und warm…

14. Etappe

Weimar, Deutschland (29. bis 30. August)

Das wars…
Ein netter Abend in den „Gärten Weimars“ und die Frage, ob wir so eine Reise nochmal machen wollen. Ziemlich sicher: Ja, aber nicht alles. Einen Lieblingsort haben wir gefunden: Saulkrasti!